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Edle Tropfen aus Ochsenfurt
Die heilige Thekla brachte im 8. Jahrhundert nicht nur den Glau-
ben, sondern wohl auch den ersten Rebstock nach Ochsenfurt.
Heute besitzt die Stadt in ihrem rechtsmainischen Ortsteil eine
eigene Weinbergslage, den Kleinochsenfurter Herrenberg, der
an der Südseite des Maintalhangs auf Muschelkalkboden ge-
deiht. Der Ochsenfurter Weinwanderweg hält viele interessante
Informationen zu den hervorragenden fränkischen Rebsorten
wie Silvaner, Müller-Thurgau oder Scheurebe bereit.
Feines Präsent zu großen Tagen
Im Jahr 2010 präsentierte die Stadt mit dem Winzerverein
Kleinochsenfurt den Ochsenfurter Stadtwein. Er stellt eine
ideelle Unterstützung der hiesigen Winzer und ein Bekenntnis
zum Kleinochsenfurter Wein als ein Standbein des Tourismus
in Ochsenfurt dar. Seitdem wird er zu speziellen Anlässen sei-
tens der Stadt verschenkt, z. B. als Aufmerksamkeit der Stadt
Ochsenfurt nachTrauungen im Standesamt. Diese Geste kommt
bei allen frisch Vermählten stets sehr gut an. Mit dem Kleinoch-
senfurter Winzerverein ist festgelegt worden, dass die Lieferung
des jeweiligen Stadtweins nach alphabetischer Reihenfolge der
Winzer erfolgt.
Der Ochsenfurter Kauz
Alljährlich zur Zeit der Weinernte entsandte das Würzburger
Domkapitel eines seiner Mitglieder als sogenannten „Herbst-
herrn“ um in der Stadt Ochsenfurt den „Zehnten“ einzunehmen.
Bei einem damit verbundenen Gelage stiftete der Herbstherr
Konrad Ludwig Zobel von Giebelstadt im Jahre 1611 ein silber-
vergoldetes Trinkgefäß in Gestalt eines Kauzen. Dieser Becher
fasste drei Liter Bier. Wer den Kauz in einem Zuge leeren konnte,
durfte sich für seine Leistung in das eigens dafür geschaffenen
„Kauzenbuch“ eintragen. Bis 1804 konnten 600 Eintragungen in
zwei vollgeschriebenen Kauzenbüchern verzeichnet werden.
Während der Säkularisation ging das originelle Trinkgefäß verlo-
ren. 1945 hatte der damalige Stadtrat diesen Brauchtum wieder
ins Leben gerufen und ließ eine Nachbildung des Trinkgefäßes
anfertigen, sowie ein neues Kauzenbuch. Der Ochsenfurter
Kauz wird nunmehr alljährlich in der ersten Stadtratssitzung des
Jahres zumWohle der Stadt und seinen Bürgern herumgereicht.
Außerdem sind zu diesem Anlass Gäste eingeladen, die den
Kauz als „Willkommen“ gereicht bekommen.




